Wolfgang Lackerschmid zur Rundfunk-Reform

„Der öffentliche Rundfunk ist und war nicht nur wegen der Veröffentlichung von Tonträgern wichtig, sondern besonders in früheren Jahren durch seine Live Mitschnitte von Jazzkonzerten. Bei Tourneen waren meist auch Rundfunk- oder Fernsehmitschnitte integriert. Besonders der Südwestfunk, Süddeutscher Rundfunk, WDR, NDR, BR, HR, Radio Bremen und auch der Deutschlandfunk und das ZDF hatten regelmäßig eigene Liveproduktionen im Programm.

Meinen ersten Rundfunkmitschnitt hatte ich 1976 zusammen mit Albert Mangelsdorff, dann regelmäßig mit diversen Projekten. 1978 mit der Vibraphone Summit und ab 1979 viel mit Chet Baker oder Attila Zoller, und all die Jahre hindurch immer wieder Radio- und Fernsehübertragungen von Konzerten eigener Formationen.

Dies nur um zu zeigen, wie viele verschiedene Möglichkeiten es deutschlandweit in den Rundfunkanstalten der verschiedenen Bundesländer gab.

Mit der Zeit wurde der Etat für Liveproduktionen schrittweise abgebaut, auch weil es immer weniger Sendeplätze für Jazz gab. So wie es aussieht, wird es dann in der Zukunft kaum noch Perspektiven geben und wir können froh sein, wenn wenigstens unsere Neuerscheinungen noch irgendwo präsentiert werden können.

Was wir besonders vermissen werden, sind die engagierten Beiträge von kompetenten Menschen in den Jazzredaktionen der Sender, die im Detail über die gespielten Stücke erzählen konnten und auch wussten wer wann mit wem auf welchen Tonträgern oder Konzerten gespielt hat.

Wir werden nun damit vertröstet, dass unsere Musik weiterhin, teils sogar in Rotation gesendet wird. Das bringt im besten Falle Lizenzen ein, aber ohne redaktionelle Beiträge dazu geht der Kontakt zu unserem Publikum verloren.

All die Fans, die treu die regelmäßige Jazzstunde mit Musik, Berichten oder Interviews gehört haben, verlieren diesen vertrauten Bezug zum Jazz.“

Text: Wolfgang Lackerschmid
Foto: clou.media

Ein Statement auf den Bericht von Martin Laurentius in der letzten Ausgabe der Jazzthing

Weiterführende Links
„Kein öffentlich-rechtlicher Rundfunk ohne Jazz!“

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