Über 34 Jahre war Rudi Engel als Professor für Jazzbass an der Hochschule für Musik tätig. Jetzt geht er in den wohlverdienten „Ruhe“-Stand und gab als Abschluss seiner Lehrtätigkeit am 31.10.2023 ein Konzert in der Hochschule. Die Zuschauer des mehr als vollbesetzten Saals des B Theater erwartete eine Darbietung von Rudis Können und Schaffen. Viele namhafte Gäste – und ein angekündigter Überraschunsggast – begleiteten an diesem Abend den beliebten Dozenten. Eine kleine Reise in die Vergangenheit, einen Überblick über aktuelles Schaffen und einen Ausblick in die Zukunft zeigten die Vielfältigkeit von Rudis Spiel und Engagement für die Jazzszene.

Den Beginn des Abends bildete eine Soloperformance von Rudi – laut seiner Aussage das erste Mal, dass er ganz alleine auf der Bühne steht und Solo Kontrabass spielt. Während der Anfang eher ruhig und getragen daherkam wurde es gegen Ende mit einer fragmentarischen Eigenkomposition sehr groovig.
Nach dem Solo-Auftritt erfolgte die Laudatio von Christoph Wünsch, Präsident der Hochschule und ein langjähriger Wegbegleiter Rudi Engels.

Zum zweiten Teil des ersten Sets kamen dann Hubert Winter und Bastian Jütte mit auf die Bühne. Eine schier unglaubliche Vorstellung der drei Dozenten was Spannung, künstlerische Darbietung, Energie und Dynamik angeht.

Nach der Pause kam dann gleich der Überraschungsgast mit auf die Bühne: Der in Fulda geborene Reza Askari hat die Nachfolge von Rudi Engel als Professor für Jazzbass an der Hochschule im Oktober angetreten. Bei zwei Stücken für zwei Kontrabass duellierten sich die beiden nicht, sondern haben eindrucksvoll gezeigt, wie eng die alte und die neue Generation zusammengehen. So wird das Erbe Rudi Engels würdevoll weitergetragen und er selber ist davon überzeugt, dass er seine „Kontrabass-Klasse in die besten Hände weitergeben“ könne.

Ein Blick in die Vergangenheit gewährte dann das Trio On The Corner mit Bernhard Pichl am Flügel und Bill Elgart an den Drums. Mit dieser Besetzung war Rudi ab Ende der 80er Jahre international unterwegs und hat mit den ganz Großen des Business gearbeitet. Die Spielfreude hat auch nach Jahrzehnten in keinster Weise nachgelassen. Sehr abwechslungreich und spannungsgeladen mit großer Dynamik – und das teilweise mit über 80 Jahren. Da sieht man, dass Jazz jung hält 😉

Und die Jungen kamen dann auch zum Abschluss als Zugabe auf die Bühne. Mit elf Bassisten auf der Bühne durfte Rudi seine aktuellen Studierenden, ein paar Alumnis und natürlich auch Reza Askari als zukünftigen Prof auf die Bühne bitten. So schließt sich der Kreis von den Anfängen Rudi Engels an der Hochschule über sein aktuelles Schaffen und er gibt seine Energie weiter an seinen Nachfolger und die Studierenden.
Seinen Aufruf am Schluss, die Leute sollen doch bitte durch Konzertbesuche die regionale Szene unterstützen (und nicht nur die großen Namen) können wir nur unterstreichen.
Eine schöne Aussicht für die Zukunft ist, ganz am Rande bemerkt, dass durch den Eintritt in den Ruhestand natürlich keine Ruhe einkehrt. Rudi Engel hat ja jetzt noch mehr Zeit für Sessions und Konzerte.
Wir wünschen Dir alles Gute und kein bisschen Ruhe für Dein weiteres JAZZLIFE, lieber Rudi!
Text & Fotos: Tommi Neubauer


