TOOT: Radikale Improvisation zwischen Stimme, Trompete und Analog-Synthesizer

Eine Stimme, eine Trompete und ein Analog-Synthesizer – mehr braucht TOOT nicht, um eine Klangwelt zu erschaffen, in der die üblichen Grenzen zwischen Instrument, Geräusch und Musik verschwimmen. Am 23. Oktober gastiert das Trio mit Phil Minton, Axel Dörner und Thomas Lehn im Club W71 in Weikersheim.

Drei Musiker treffen hier aufeinander, die ihre jeweiligen Ausdrucksmittel über Jahrzehnte ausgelotet und erweitert haben. Im Zentrum steht die freie Improvisation: keine klassische Rollenverteilung, kein vorhersehbarer Ablauf, sondern ein musikalischer Dialog, der unmittelbar im Moment entsteht.


Phil Minton – die Stimme als Instrument

Phil Minton gehört zu den Pionieren der experimentellen Vokalmusik. Der Begriff „Gesang“ beschreibt dabei nur einen Teil dessen, was er mit seiner Stimme erzeugt. Minton nutzt unterschiedlichste Vokaltechniken und erweitert die menschliche Stimme um Geräusche, Klänge und Ausdrucksformen, die weit über traditionellen Gesang hinausgehen.

Auch mit 85 Jahren beeindruckt er durch seine klangliche Fantasie, seine enorme Ausdruckspalette und seine Präsenz in der freien Improvisation. Die Stimme wird bei ihm zum vollwertigen Instrument – mal fein und zerbrechlich, mal eruptiv, abstrakt oder überraschend körperlich.

Axel Dörner – die Trompete neu gedacht

Auch Axel Dörner erweitert die Möglichkeiten seines Instruments konsequent. Mit unterschiedlichsten Spieltechniken entlockt er der Trompete Klänge, die mit den vertrauten Vorstellungen eines Blechblasinstruments oft nur noch wenig gemeinsam haben.

Dabei ist Dörner keineswegs ausschließlich in der freien Improvisation zu Hause. Seine musikalische Bandbreite reicht ebenso in den Modern Jazz. So beschäftigt er sich etwa gemeinsam mit Alexander von Schlippenbach mit der Musik Thelonious Monks.

Bei TOOT wird die Trompete dagegen zum offenen Klanggenerator: Atem, Geräusch, Ton und Rhythmus werden gleichermaßen Teil der musikalischen Sprache.

Thomas Lehn – elektronische Improvisation in Echtzeit

Den dritten Klangpol bildet Thomas Lehn am Analog-Synthesizer. Entscheidend ist dabei weniger, dass sich mit einem Synthesizer ungewöhnliche Klänge erzeugen lassen, sondern wie Lehn diese in Sekundenschnelle formt, verändert und auf seine beiden Mitspieler reagieren lässt.

Sein Instrument wird dadurch zum gleichberechtigten Partner im Trio. Regler, Schalter und elektronische Klangparameter werden unmittelbar bedient und verändert – die Entstehung der Musik lässt sich damit nicht nur hören, sondern auch beobachten.


Drei Individualisten, ein gemeinsamer Klang

Gerade die Kombination dieser drei Musiker macht TOOT besonders. Stimme, Trompete und Elektronik verschmelzen nicht zu einem homogenen Bandsound, sondern bleiben eigenständige Stimmen in einem permanenten musikalischen Austausch.

Dabei kann jeder Impuls die Richtung verändern. Ein Atemgeräusch der Stimme, ein kaum wahrnehmbarer Trompetenton oder eine elektronische Klangfläche kann zum Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung werden. Komposition entsteht hier gewissermaßen in Echtzeit.

Für den Club W71 ist das Konzert zugleich ein Wiedersehen. Alle drei Musiker waren dort bereits mehrfach in unterschiedlichen Formationen zu Gast – und Anfang 2002 auch schon einmal gemeinsam als TOOT. Mehr als zwei Jahrzehnte später kehrt das Trio nun nach Weikersheim zurück.

Ein Abend für neugierige Ohren – und ein Konzert, bei dem auch das Zuschauen Teil des Erlebnisses sein dürfte.


Besetzung

Phil Minton – Gesang
Axel Dörner – Trompete
Thomas Lehn – Analog-Synthesizer


Konzertinformation

TOOT
Freitag, 23. Oktober 2026 · 20:30 Uhr
Club W71, Weikersheim
Eintritt: 12–17 Euro

Tickets und weitere Informationen beim Club W71

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