Inswingtief auf Longlist mit Jazz–Größen

Inspiration durch die Heimat prägt die Musik und Arbeitsweise von Inswingtief. Die Würzburger Band ergattert erneut Platz auf Longlist zum „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“

Die Band Inswingtief, Thomas Buffy (Violine), Stefan Degner (Gitarre) und Sabrina Damiani (Kontrabass), erzählt mit ihrer Musik intuitiv Geschichten, die über den Swing hinausgehen. Dabei überzeugen die Träger der Kulturmedaille Würzburg nicht nur in ihrer Heimat. In diesem Jahr haben sie es mit ihrem aktuellen Album „Beyond Swing“ erneut auf die Longlist zum renommierten Preis der Deutschen Schallplattenkritik geschafft und platzieren sich damit in direkter Nachbarschaft zu Stars der internationalen Jazzszene. Im Interview erzählt die Band unter anderem, wie ihre Heimatliebe zu Würzburg sie bei ihrer Musik inspiriert.
 

Zuerst herzlichen Glückwunsch zur Nominierung für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Nach 2022 sind Sie mit „Beyond Swing“ nun erneut nominiert. War dennoch ein Überraschungsmoment dabei?
Stefan Degner: Die Nominierung kam immens überraschend, vor allem deswegen, weil wir diesmal in der Kategorie „Jazz“ nominiert worden sind. Bisher waren wir „nur“ in der Weltmusik daheim, aber dass wir diesmal auch eine zweite Stilistik abdecken konnten, das ist schon fantastisch. Auch, dass die musikalische Farbigkeit und Vielfalt, die wir bisher noch nicht gezeigt hatten, so gut angekommen sind, war richtig toll. Also ja, wir haben uns gefreut wie ein Schnitzel.

Wie Sie schon sagen, der Preis der deutschen Schallplattenkritik wird in unterschiedlichen Kategorien vergeben. Was ist für Sie so besonders an der Kategorie „Jazz“ und der Liste, auf der Sie nun aktuell aufgeführt sind?
Thomas Buffy: Wenn man sich die Namen vergegenwärtigt, die dort stehen – Christian McBride, Chick Corea, Paolo Morello –, also das „Who is Who“ der Jazzmusik, das sind unsere Idole. Dass wir da auch mit dabei sein dürfen, da sind wir schon wirklich mehr als froh, wenn man das so sagen kann.

Sie haben alle 15 Titel auf dem Album „Beyond Swing“ selbst komponiert. Stilistisch scheinen Sie dabei keine musikalische Grenze zu ziehen – Sie haben Folk, Klezmer, Calypso, Bossa Nova, Tango dabei. Spielt der Musikstil beim Komponieren keine Rolle mehr, oder wie gehen Sie vor?
Thomas Buffy: Es gibt ja da diese Idee, es gäbe nur zwei Arten von Musik, die gute und die schlechte. Wir versuchen eben immer, gute Musik zu machen, die anspruchsvoll ist und es uns ermöglicht, uns zu verwirklichen. Außerdem ist unser eigener Anspruch auch, spannend zu komponieren, und natürlich lieben wir Musik und komponieren so, dass sich das darin auch widerspiegelt. Spannend können dann auch Geschichten sein, die man im Alltag erlebt.

Welche Geschichten erzählt Ihnen das Leben dann, spielen die auch in Würzburg?
Stefan Degner: Das können ganz viele verschiedene Geschichten sein, die vom netten Käseladenbesitzer bei uns im Landkreis, vom Mojito am Strand, einer Stechmücke oder einfach gutem Essen und Wein, und da ist Würzburg, was die Lebensqualität anbelangt, einfach bestechend. Es gibt viele nette Menschen, man wird oft eingeladen, das gehört auch alles dazu, um irgendwo sesshaft zu werden. Kurz gesagt: Wir unterrichten eben an der städtischen Musikschule und üben dann auch gern mal im Weinberg.

Das klingt nach Heimatliebe. Aber um ein Album auf die Bestenliste dieses Preises zu bekommen, braucht es da nicht auch ein bisschen Großstadt-Musikszene Vibes und Menschen, die dabei mitwirken? Wäre das heute auch notwendig, um von der Musik leben zu können?
Thomas Buffy: Wir sind tatsächlich sehr stolz darauf, dass alles von hier kommt. Wir nehmen in Würzburg live auf, das Ganze wandert dann für Mix und Mastering zu Chris Adam, der auch aus der Würzburger Musikszene kommt und wird ergänzt durch Artwork von Jana Rauthenstrauch und Fotografien von Michael Pietschmann. Alles Profis aus unserer Heimat. Es war also kein Zufall, dass wir hier hängengeblieben sind nach unserem Studium an der Hochschule für Musik Würzburg. Wir müssen nicht in die Großstadt fahren, um unsere Musik und die Kompositionen zu realisieren. Grundsätzlich auch dieses Album physisch in den Händen zu halten, ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Streamingdienste sind weniger relevant und die CDs haben wir bei Konzerten mit dabei und können sie dort vertreiben. Konzerte und unsere Arbeit als Inswingtief sind zusammen mit unseren Lehraufträgen und anderen Projekten unser Beruf und Broterwerb. Über Streaming könnten wir als Musiker kein nennenswertes Geld verdienen.

Für Ihr musikalisches Engagement in Würzburg sind Sie 2024 mit der Kulturmedaille der Stadt ausgezeichnet worden. Wie haben Sie seitdem die Musikkultur in Würzburg noch weiter vorangetrieben und was wird in der Zukunft kommen?
Sabrina Damiani: Tatsächlich ist es so, dass wir uns in der Würzburger Musikszene in den letzten Jahren sehr viel Mühe gegeben und eingebracht haben. Alleine die Gypsy Jazz Jam Session im Kulturkeller Z87 gibt es jetzt im achten Jahr, wir feiern im Herbst die 70. Session und es finden kostenlose Workshops mit international herausragenden Gastdozenten statt. Wir machen das ehrenamtlich, aber wir sagen immer: Solange es uns Spaß macht, es immer rappelvoll ist und die Leute Freude daran haben, dann ist es so eine coole Sache, dann machen wir das neben unserer überregionalen Konzerttätigkeit auch weiterhin. Dass unser Engagement wahrgenommen und honoriert wird, bestärkt uns darin, auf diesem Weg musikalisch weiterzumachen.

Fürs Üben im Weinberg wird es jetzt noch zu kalt sein. Wo kann man Sie denn in Würzburg demnächst spielen hören?
Thomas Buffy: Zum Katholikentag im Mai vertreten wir unsere Stadt musikalisch. Da sind wir auf jeden Fall zu hören und am 5. März gibt es im Mozartareal ein Benefizkonzert für die Würzburger Kindertafel. Ansonsten spielen wir natürlich immer jeden ersten Sonntag im Monat im Keller Z87 bei der Gypsy Jazz Jam Session als Opener. Aber vorher hoffen wir auf die nächste Runde im Rennen um den Preis – am 16. Februar kämen wir dann, wenn alles gut läuft, von der Longlist auf die Bestenliste.

Interview: Sonja Will
Veröffentlichung: Main-Post vom
Samstag, 17. Januar 2026 | Nr. 13 | Seite 27
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