50 Jahre Jazzclub Bamberg

Live und hautnah seit 50 Jahren 

2024 feiert der Jazzclub Bamberg Jubiläum – Der Jubiläumsmonat Oktober bringt einige Highlights

Jazzkeller mögen sich ähneln und doch hat jeder Keller durch das Programm seines Clubs, den Ausbau und seine Ausstattung eine unverwechselbare Atmosphäre. Befragt man Jazzmusiker, die auf vielen Bühnen landauf, landab zu Gast waren, nach der besonderen Qualität des Jazzkellers Bamberg, kommen sie immer wieder auf die Nähe zum Publikum zu sprechen. Die Musiker stehen hier oft nur einen Meter von der ersten Stuhlreihe entfernt, auf einer Bühne, die knapp über den Knöchel reicht. „Live und hautnah“ lautet denn auch der Slogan des Jazzclubs Bamberg, der heuer sein 50-jähriges Bestehen feiert.


Die Wurzeln der Bamberger Jazzszene reichen zurück in die 1950er Jahre. Ohne den Offiziersclub in der US-Kaserne, der einheimischen Musikern damals die Gelegenheit bot, sich über Rock and Roll und Schlager hinaus auch mit Jazz zu erproben, wäre die lokale Geschichte sicher anders verlaufen. In der Kaserne hatten viele deutsche Jazzmusiker, so auch die Lokalmatadore Tex Döring und Otto Herzog, mit ihren Bands das nötige Handwerk erlernt. 

Es mangelte also auch in Bamberg nicht an einem Mikrokosmos aus Jazzenthusiasten, fähigen Musikern, offenen Hörern und zugewandten Journalisten, die für die Entstehung einer lebendigen Szene in einer Kleinstadt unerlässlich sind. Viel schwieriger war es, eine dauerhafte Spielstätte zu finden, die komfortabel genug und zugleich bezahlbar war. Daher nomadisierten Jazzenthusiasten auf der Suche nach einer Bleibe noch in den frühen 1970er Jahren ziellos umher. Ein Inserat in der Lokalzeitung mit dem Aufruf „Freunde des Jazz, bitte melden“ setzte 1973 einen ersten Impuls zur Gründung eines Jazzclubs. Es waren schließlich Jazzhörer, keine ausgewiesenen Jazzmusiker, die sich 1974 spontan entschlossen, den Jazzclub Bamberg zu gründen. 


Jazzclub Bamberg 1970er Jahre © Archiv JCB

Auf das heutige Domizil in der Oberen Sandstraße 18 stieß man erst 1977. Ein Keller war nach den Worten von Peter Funk, einem Gründungsmitglied des Clubs, die erste Wahl, da man „so ein bisschen Underground-Charakter“ angestrebt habe. Die heutigen Räume wurden in unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden von Schutt frei geschaufelt, ausgebaut, klimatisiert, verschönert, technisch immer wieder auf den neusten Stand gebracht. 

Zahlreiche Größen hinterließen ihre Visitenkarte: Elvin Jones, Till Brönner, Larry Coryell, Klaus Doldinger, Lee Konitz, Albert Mangelsdorff, Jimmy Woode… Eine jahrzehntelange Freundschaft pflegt der Club mit tschechischen Musikern, allen voran Laco Deczi und Emil Viklický, sowie mit dem Alexander von Schlippenbach Trio. Zu den regelmäßigen Gästen gehörten lange auch drei Bamberger Urgesteine, der Geiger Max Kienastl, der Pianist Tex Döring und der Trompeter Otto Herzog, der bereits in den frühen 1950er Jahren in der hiesigen US-Kaserne auf der Bühne stand. Nicht zu vergessen unter den Lokalmatadoren ist auch Johanna Schneider. Die Sängerin, die sich als Vorstandsmitglied der Deutschen Jazz Union u.a. für eine faire Bezahlung von Jazzmusikern engagiert, machte hier ihre ersten Schritte und bezeichnet den Jazzkeller als „mein zweites Wohnzimmer“.  

Johanna Schneider © Roland Fuchs


Die familiäre Atmosphäre des Clubs ist bei Musikern und Gästen gleichermaßen beliebt. Die Vorstandschaft zeichnet sich durch hohe Kontinuität und demokratische Entscheidungsfindung aus. Marianne Benz leitet den Club seit 1989. Der Programm-Macher Roland Fuchs löste Georg Fößel im Jahr 2020 ab und setzt mit einer spannenden Mischung aus renommierten Größen und Newcomern Akzente. Das Programm kann sich mit Spielorten in weit größeren Städten messen. Der Verein zählt über 500 Mitglieder und gehört so zu den größeren Jazzclubs der Republik. Konzerte werden von September bis Mai veranstaltet, in der Regel jeweils freitags oder samstags. 


Das Jahr 2024 steht für den Jazzclub Bamberg ganz im Zeichen des 50. Geburtstages. Anfang Oktober erleben die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt. Den Auftakt macht ein Jubiläumsabend, zu dem der Club am 2. Oktober in die Kulturfabrik Bamberg lädt. Die musikalische Umrahmung der offiziellen Feierstunde gestaltet das Bamberger Jazz-Urgestein Otto Herzog (Jg. 1934) mit seiner Swing & Blues Band.  

Am Tag drauf, dem 3. Oktober, spielen lokale Musiker bei einem Jazz-Stammestreffen im Keller von 16 Uhr bis in die späten Abendstunden. Am Freitag, 4. Oktober, ist Günter Baby Sommer mit seinem Großprojekt „Baby Sommer’s Brotherhood & Sisterhood“ zu Gast. Die Big Band verspricht mitreißende Arrangements – filigran und voller Energie. 

Schlag auf Schlag geht es am Jubelwochenende weiter: Ungarischer Folk verschmilzt mit US-Jazz am Samstag, 5. Oktober, zu einer Einheit. Bei dem Konzert des Eastern Boundary Quartetts stehen die New Yorker Joe Fonda und Michael Stevens, seit Jahrzehnten treue Gefährten des Jazzclubs, mit den ungarischen Meistermusikern Balazs Bagyi (Drums) und Mihaly Borbely (Saxophon) auf der Bühne. Und nur wenige Stunden nach deren Auftritt öffnet der Jazzkeller am Sonntag, 6. Oktober, bereits wieder seine Tür: zur Jazz Session, die um 11 Uhr beginnt und als Weißwurst-Frühstück angekündigt ist. So viel Jazz an einem Wochenende ist in Bamberg selten! Allerdings lohnen auch die Jubiläumskonzerte in den folgenden Wochen einen Ausflug in die altehrwürdige Stadt. 

Weitere Infos unter www.jcbamberg.de

Text: Oliver van Essenberg, Autor und Chronist des Jazzclubs 

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