Rezension: Tom van der Geld – Who Is Playing?

Solo-Vibraphon zwischen Kontemplation, Klangpoesie und tiefer Innerlichkeit

Mit seiner neuen Solo-CD Who Is Playing? legt der Vibraphonist Tom van der Geld ein ebenso intimes wie reflektiertes Werk vor. Der Titel ist nicht nur programmatisch, sondern auch eine fast meditative Frage, die sich wie ein roter Faden durch die Aufnahme zieht – ein Innehalten im Moment des Klangs, ein Staunen über das, was aus dem Innersten ins Äußere tritt.

Bekannt als Vordenker lyrischer Jazzformen, bleibt van der Geld auch hier seiner Ästhetik treu: zarte Klangflächen, klare Strukturen, eine enorme Detailtiefe und ein Spiel, das niemals Effekte sucht, sondern Bedeutung. Die Musik atmet. Sie lässt Raum. Und sie verlangt – im besten Sinne – Zuhören.

Das Repertoire ist geschmackvoll ausgewählt: Neben Standards wie Only Trust Your Heart (Carter/Cahn), Up With The Lark (Kern) oder dem bittersüßen Atras Da Porta (Buarque) stehen Eigenkompositionen wie Making Waves und Three Times Someday. Diese Stücke spiegeln van der Gelds poetische Klangsprache, seine melodische Intuition und seinen tiefen Sinn für musikalische Form.

Aufgenommen im Mystery Train Studio Stuttgart, gemischt und gemastert von Markus Birkle (Ton) und Olaf Schönborn (Label Rodenstein Records), klingt diese CD so transparent, wie man es sich bei einem solistischen Vibraphonprojekt nur wünschen kann: jede Note schwebt klar im Raum, getragen von natürlicher Resonanz und akustischer Präsenz.

Who Is Playing? ist kein Album, das sich dem schnellen Hören erschließt. Es ist ein musikalisches Tagebuch – leise, ehrlich, konzentriert. Eine Einladung, sich mit auf den Weg zu machen, der Musik als spirituelle Praxis versteht.


Ein stilles Meisterwerk. Und ein eindringliches Statement dafür, dass Reduktion, Klarheit und Innerlichkeit im Jazz nichts mit Zurückhaltung zu tun haben – sondern mit Tiefe.

Die CD ist ab sofort exklusiv in unserem Online-Shop erhältlich.

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